Sehr geehrter Besucher,

Das errengende für die Cimbalisten, ist daß ein großer Teil des Repertoire des Instrumentes sich in Heutigerzeit bildet. Auf Grund dieser Tatsache können Sie mit den Komponisten zusammenkommen und von Ihnen selbst genau wissen was sie wünschen dem Publikum zu geben. So habe ich das Glück gehabt Partituren zu arbeiten direkt mit den Anweisungen von mehrere Komponisten, unter welchen : Gilbert AMY, Edith CANAT de CHISY, Gualtiero DAZZI, Olivier DEJOURS, Pascal DUSAPIN, Henri DUTILLEUX, Marie-Hélène FOURNIER, Détlef KIEFFER, Michaël LEVINAS, Lorin MAAZEL, Michèle REVERDY, Flora THALASSA...

Ich danke Gott für alle diese günstige Gelegenheiten und vertraue mich in Ihn. Viele Musiker, aller Zeiten, haben es ebenso gemacht. Man könnte viele zitieren. Hier werde ich nur Igor STRAVINSKY erwähnen. In ihrem Buch „Im Herzen des Familienkreis“ berufen sich, sein Sohn Theodore und seine Schwiegertochter Denise STRAVINSKY, auf seinen festen Glauben mit dieser Anekdote: Anfangs 1925 sollte STRAVINSKY nach Venedig fahren, um da seine "Sonate" zu spielen. Leider hat sich bei dem Meister ein schlimmes Nagelgeschwür erklärt. Bevor seiner Abfahrt nach Venedig, begab sich STRAVINSKY in eine, über Nizza gelegene, Kirche und betete demütig um seine Heilung. Vor dem spielen in Venedig, entschuldigte sich STRAVINSKY dem Publikum, zeigte den kranken Finger und mit einer schnellen Bewegung, entriss er sein Verband. Das Wunder war geschehen: sein Finger war gesund! STRAVINSKY hat ohne den geringsten Schmerz spielen können.

Kehren wir nun zurück zu den, im ersten Paragraf ausgedrückte, reiche Erfahrungen welche ich im direkten Kontakt der Komponisten gewonnen habe. Eine meiner stärksten Erinnerung besteht darin, dass ich, noch blutjung, täglich in der Nähe von Gyorgy KURTAG war. Dies steigt in den Sommer 95 herauf. Die berühmte Cymbalistin aus Ungarn, Marta FABIAN, hatte mich in Villeneuve les Avignon eingeladen, um in Ihrer Klasse einem Praktikum "Acanthes" völlig zu folgen. Dieser war ganz dem Maestro KURTAG gewidmet. Ich erinnere mich, mit welchem Ernst KURTAG, sich des Klaviers helfend, erklärte wie einen "Forte", „Dolce“ zum klingen bringen. Ich erinnere mich auch, dass es Ihm mehrmals vorgekommen ist ganz andere Nuancen zu verlangen als diejenigen welche auf der Partitur angegeben waren. Diejenigen von seiner eigenen Partitur! Diejenigen, welche KURTAG selbst geschrieben hatte.

In Villeneuve les Avignon habe ich, für und mit KURTAG, während zwei Wochen, ein kurzes Stück von nur drei Seiten bearbeitet. Er wünschte, daß ich es in einem sehr schnellen Tempo spiele, wie es übrigens auf seiner Partitur angegeben war. Am Tag des Konzertes, im Moment ich zur Szene eintreten wollte, hat mich KURTAG hinter dem Vorhang zurückbehalten und mich darum gebeten sein Werk viel langsamer zu spielen. Ich habe mich gefügt. So habe ich, in meinem dreizehnten Lebensjahr, ergriffen daß ein Komponist ein Werk in einer gewisser Stimmung schreibt, aber daß das Leben weitergeht und dass dadurch neue Ideen erscheinen. Um gelesen, interpretiert und dem Publikum gegeben sein, schreibt sich die Musik auf einer Tragweite und mit Taktstrichen. Aber sie bleibt, sogar für denjenigen frei, der sie selbst in diesen Käfig gelegt hat!

Cyril DUPUY